Welche 10 Dinge solltest du wissen, um deine Bogentechnik auf ein solides Fundament zu stellen? Wie gelingt dir eine perfekte Bogenhaltung? Und warum ist es wichtig, daß du jede einzelne Bogenstelle mit ihren typischen Merkmalen genau kennenlernst?
Schau zu jedem Thema ein kurzes Video!
Foto: Tommi Riedel
Wir müssen uns klar machen: unsere Bogenhand muss flexibel sein, um die verschiedenen Aufgaben geschmeidig ausführen zu können. Die größte Schwierigkeit mag wohl sein, am Frosch den kleinen Finger, der das ganze Gewicht des Bogens tragen muss, rund zu bekommen.
Wenn wir in der Bogenmitte streichen, hat bezüglich der Gewichtsverteilung keiner der Finger eine überaus wichtige Aufgabe. Die Finger müssen seitlich die Bogenstange stabilisieren. Man kann sie alle nacheinander hochheben und feststellen, daß sie irgendwie alle "entbehrlich" wären. Das bedeutet aber nicht, daß sie ihre Position willkürlich verlassen können. Die Bogenhaltung soll stabil bleiben.
An der Spitze liegt der Bogen auf den Saiten mit einem viel schwächeren Gewicht als am Frosch. Die Spitze ist leicht, und das bedeutet auch klangliche Einbußen - wenn man nicht entgegenwirkt. An der Spitze muss der rechte Zeigefinger das Armgewicht auf die Bogenstange übertragen. Die Bogenhaltung ist immer noch stabil, der Mittel- und Ringfinger sind noch da, wo sie am Frosch waren.
Manchmal erlebe ich, daß beim Spielen an der Spitze über Spannung im Handgelenk geklagt wird. Wer einen kurzen Arm hat, der wird diese Erfahrung kennen. Doch es gibt fast immer Potential, den Unterarm ein bischen weiter zu "strecken". So gibt es die Möglichkeit, die Finger am Bogen an den bestehenden Stellen zu belassen (bis auf minimalste Abweichungen, die nur durch das Strecken des Armes Richtung Spitze entstehen).
💡 MEIN TIPP AN DICH
Wenn du ganz entspannt winkst, dann hast du eine optimale Position des rechten Handgelenks und der Hand. Die Hand hängt dann herab und du kannst den Bogen richtig tief hinein legen.
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Wenn die Schultern angespannt sind, können die Impulse unseres Gehirns nicht den direkten Weg in unsere Hände finden, die letztendlich den Kontakt zur Geige und dem Bogen haben.
💡 MEIN TIPP AN DICH
Zieh die Schultern hoch und lass sie mit einem direkten Entspannungsimpuls fallen. Es kribbelt bis in die Finger. Die Schultern, Oberarme erleben das Loslassen und es überträgt sich in den Unterarm, die Hand und die Finger.
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Lasst uns nachdenken über die Schwerkraft. Alles, was Richtung Boden geht, hat eine Energie des Fallens. Das betrifft den Abstrich.
Aber woher nehmen wir die Energie für den Aufstrich?
Beim Streichen in der oberen Hälfte bis zur Mitte schließt einfach nur der Unterarm. Aber das Schwierige kommt jetzt - wie kommen wir von der Mitte bequem zum Frosch? Gib mit dem Ellenbogen/Oberarm einen Schub und du hast keine Mühe, zum Frosch zu streichen.
💡 MEIN TIPP AN DICH
o.H. = obere Hälfte: ab der Bogenmitte öffnet sich der Unterarm, der Oberarm bleibt bis auf eine kleine Rückung nach vorne stabil und der ganze Arm streckt sich
u.H. = untere Hälfte: von der Mitte zum Frosch schiebt der Ellenbogen Richtung Frosch und gibt die Energie, um ohne Mühe zum Frosch zu streichen. Vom Frosch zur Mitte nutzen wir die Energie des Fallens durch die Schwerkraft.
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Wenn du einen Aufstrich spielst und dann am Frosch bist, um den Bogenwechsel auszuführen: drücke mit dem kleinen Finger auf die Bogenstange.
Das zwei Effekte:
💡 MEIN TIPP AN DICH
Übe mit kurzen Detaché-Strichen am Frosch, die Rundung des kleinen Fingers immer wieder zu erlangen. Beobachte dich im Spiegel!
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Teile deinen Bogen zuerst in zwei Hälften ein, in die obere Hälfte (Mitte - Spitze) und die untere Hälfte (Frosch - Mitte). Markiere dir die Bogenmitte mit einem Pünktchen zum Beispiel aus Kreide. Wenn du dann streichst, siehst du optisch die Einteilung und kannst dich daran orientieren. Glaube mir, das Gefühl trügt...
Teile danach jede Hälfte wieder in zwei Teile, dann hast du vier Viertel. Markiere sie unbedingt wieder, denn: jede Strichart hat ihre typische Bogenstelle! Bei Tipp 10 erfährst du mehr darüber.
💡 MEIN TIPP AN DICH
Übe detache in der oberen/unteren Hälfte und dann in allen vier Vierteln des Bogens. Kontrolliere dich mit kleinen Markierungen und beobachte dich auch im Spiegel.
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Sorry für die Unterbrechung - gleich gehts weiter mit Bogentechnik. Aber ich dachte, es könnte dich interessieren: mehrere Male im Jahr gibt es Bogentechnik-Live-Workshops (0 €). Möchtest du dabei sein? Trag dich hier ein, du bekommst Infos zum nächsten Termin.
Jede der vier Saiten hat ihre ideale Saitenebene. Wenn wir auf der G-Saite spielen, ist unser Ellenbogen viel höher als wenn wir auf der E-Saite spielen. Die D-Saite und A-Saite liegen dazwischen.
Wir legen unseren Bogen in die Bogenmitte auf die D-Saite. Wir richten uns bequem ein und achten darauf, daß unsere Schulter "hängt" und nicht hochgezogen ist. Der Ellenbogen soll auch entspannt sein und etwas tiefer als das Handgelenk. Wir geben etwas Armgewicht auf die Bogenstange.
Mit der Position des Ellenbogens bestimmen wir auch, ob der Bogen parallel zum Steg ausgerichtet ist. Wenn der Bogen schräg ist und die Bogenspitze geht in die Richtung unseres Körpers, dann muss der Ellenbogen ein Stück zurück, so daß der Bogen wieder parallel ist. Wenn der Frosch Richtung Körper geht, dann muss der Ellenbogen ein bisschen nach vorne. Das alles kannst du im Spiegel beobachten und korrigieren.
Um nun alle vier Saitenebenen zu erreichen, bewegt sich unser ganzer Arm als Einheit aus dem Schultergelenk heraus über alle vier Saiten. Die Übergänge sind fliessend: für das gleichzeitige Streichen von zwei Saiten brauchen wir eine Zwischenposition.
💡 MEIN TIPP AN DICH
Korrigiere alle Ebenen, indem du dich im Spiegel beobachtest!
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Einen Saitenwechsel müssen wir gut vorbereiten. Richte dich wieder bequem in der Bogenmitte und mit entspannter Haltung auf der D-Saite ein. Streiche zur Spitze und nutze am Ende des Bogenstrichs den Impuls der Strichbewegung, um direkt zur nächsten Saite zu gehen.
Falsch wäre, den Strich zu stoppen, zu warten und dann erst den Saitenwechsel zu machen. Und noch schlimmer ist, schon wieder loszustreichen und dann erst den Saitenwechsel zu machen. Diese beiden Varianten führen zu unsauberem und unklarem Spiel mit vielen störenden Nebengeräuschen.
💡 MEIN TIPP AN DICH
Geh mit einem schnellen Reflex am Ende des Tones schnellstmöglich zur neuen Saite. Beobachte dich wieder im Spiegel.
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Mit vielen Bogenhaaren erzeugst du einen lauteren, kräftigeren Klang und du kannst näher am Steg streichen.
Wenn du mit wenigen Bogenhaaren spielst und den Bogen kantest (die Bogenstange geht dann Richtung Schnecke), spielst du automatisch leiser. Die Kontaktstelle muss dann unbedingt weiter am Griffbrett sein.
💡 MEIN TIPP AN DICH
Übe zu Beginn alles kräftig, mit vollen Klang, Schwung im Bogen und mit allen Bogenhaaren. Wenn wir zu leise und zu vorsichtig üben, ist es unmöglich, einen schönen, klangvollen Geigen-Sound zu entwickeln. Wenn wir dann später manche Stellen leiser spielen wollen, wird uns das ziemlich einfach gelingen.
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Drei Parameter, die wir für das Ändern unseres Geigenklangs zur Verfügung haben, sind:
Kontaktstelle:
Bogendruck/Armgewicht:
Diesen Unterschied müssen wir beim Spielen ausgleichen, um einen gleichbleibenden Klang zu erzielen. An der Spitze brauchen wir mehr Armgewicht als am Frosch. Der rechte Zeigefinger muss es auf den Bogen übertragen.
Das Zusammenspiel aller dieser Komponenten bietet uns den Reichtum an Klangfarben.
💡 MEIN TIPP AN DICH
Finde deine Kombination aus Strichgeschwindigkeit, Armgewicht und Kontaktstelle, wie deine Geige am schönsten klingt. Am Wichtigsten ist zuerst:
Versuche, deine Strichgeschwindigkeit zu erhöhen - in einem positiv klanglichen Sinn. Packe dann eine kleine Portion Armgewicht dazu. Wenn dein Bogen parallel zum Steg streicht und du deinen schönstmöglichen Klang spielen möchtest, dann findet sich die richtige Kontaktstelle eigentlich fast von selbst!
In der ersten Lage bleibt diese Kombination für alle Töne recht einheitlich. Wenn du in hohen Lagen spielst, wird sich dieses Verhältnis allerdings verändern.
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Möchtest du in kurzer Zeit deine Bogentechnik verbessern und auf deiner Geige so musizieren, wie du es dir schon immer wünschst? Dann bist du hier genau richtig!
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Hier bekommst du noch einen Überblick über die Bogenstricharten, die du detailliert im Bogentechnik-Booster-Kurs lernst:
💡 MEIN TIPP AN DICH
Lege unbedingt für dein Musikstück Bogenstriche (wann spielst du Abstrich, wann Aufstrich) fest. Schreibe gern wichtige Striche in die Noten ein! Ansonsten ist die Gefahr groß, daß du durcheinander kommst, plötzlich nicht mehr genug Bogen hast um weiterzuspielen. Um gute Bogenstriche zu planen, ist es wichtig, bequem die richtigen Bogenstellen zu erreichen (z. B. für spiccato) und die Tonlängen zu beachten. Alles soll möglichst ergonomisch sein.
An vielen Stellen hilft auch die Regel: Hauptzählzeiten im Abstrich spielen, leichte Zählzeiten im Aufstrich. Das funktioniert nicht immer, ist aber ein guter Halt, um eine gute Struktur zu finden.
Ich bin Susanne und helfe dir dabei, dein Geigen- und Tangospiel zu verbessern, damit du deine Lieblingsmusik so spielen kannst, wie du dir es wünschst, ohne daß du an zu viel Technik verzweifelst.
Derzeit biete ich an:
1. Im Bogentechnik-Booster-Kurs lernst du die wichtigsten Bogenstricharten und ihre technische Ausführung kennen. Du wirst nie wieder fragen, was ist der Unterschied zwischen spiccato oder sautillé, was ist arpeggio, richochet oder martelé.
2. Mit meinem Kurs Geige üben mit Plan lernst du, strukturiert zu üben. In 25-Schritten ist es ganz leicht, dran zu bleiben und WIRKLICH mit einem Stück voranzukommen.
3. Der Geigenkurs Lerne die Grundlagen des Violinspiels für (fast) Anfänger bringt alles auf den Punkt, was du brauchst, um die Grundlagen fürs Geige spielen wirklich zu beherrschen und zu verstehen. Geige spielen muss so natürlich sein wie irgend möglich.
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Susanne Hofmann
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